1892 "Gesetz betreffend das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches". Darin heisst es: "Das Recht, Telegraphenanlagen für die Vermittlung von Nachrichten zu errichten und zu betreiben, steht ausschließlich dem Reich zu."
1903 AEG und Siemens & Halske gründen gemeinsam die "Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH, System Telefunken"
9.11.1918 Revolutionäre Arbeiter und Soldaten besetzen das Wolffsche Telegraphenbüro (WTB) in Berlin. Soldaten der Nachrichtentruppen gründen eine "Zentralfunkleitung" zur Koordinierung der 40 über Deutschland verstreuten Funkstationen und unterstellen sie dem Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte.
6.4.1923 Gründung des "Deutschen Radio-Clubs" in Berlin, der ersten deutschen Vereinigung von Rundfunkamateuren
Das erste Radio wurde am 15.Oktober 1923 in Berlin der Presse vorgeführt: es handelte sich dabei um ein Detektor-Radio, das per Kopfhörer gehört wurde. Anfangs bewegten sich die Sende-Inhalte zwischen Unterhaltung und Information, das Radio avancierte schnell zu einem Medium der Bildung, ergänzt durch Serviceprogramme wie Nachrichten und Wetterberichte und, Ende der Zwanziger Jahre, durch Hörspiele und Live-Reportagen. Durch die Erfindung der drahtlosen Übertragung bildete sich der neue Beruf des Rundfunkreporters heraus, der die Radiohörenden über die Erfahrung des Live-Dabeiseins zu Ohrenzeugen des Weltgeschehens, wie z. B. des ersten Zeppelin-Fluges, machte.
19.10.1923 Eröffnung des deutschen Rundfunks. Die "Deutsche Stunde" beginnt aus dem Dachgeschoß der Schallplattenfirma Vox in Berlin mit regelmäßigen Sendungen.
10.4.1924 Gründungsversammlung des Arbeiter-Radio-Klubs Deutschland im Berliner Gewerkschaftshaus mit 3000 Mitgliedern.
6./7.3.1926 Die 2. Reichskonferenz des ARK erhebt die Forderung nach einem eigenen Arbeitersender.
2.9.1927 Gründung der "Arbeiter-Radio-Internationale" in Berlin durch Delegierte der holländischen, dänischen, tschechoslowakischen und deutschen Arbeiter-Radio-Organisationen.
1932 der rote Sender sendet abends 19-19.30.
Silvesterabend 1932: Unterbrechung der Rede des Reichspräsidenten Hindenburg mit einem Appell gegen die Rüstungspolitik der Reichsregierung. Die Unterbrechung der Rede endet pünktlich, so dass die Schlussworte Hindenburgs noch zu hören sind: "Und aus diesem Grunde wünsche ich dem deutschen Volk aus ganzem Herzen ein gesegnetes Neues Jahr."
15.2.1933 Die Übertragung einer Rede Hitlers aus Stuttgart muss wegen Störung durch ein Mitglied des Roten Frontkämpferbundes abgebrochen werden.
18.8.1933 Der "Volksempfänger" wird vorgestellt. Bereits am ersten Tag werden 100 000 Stück verkauft.
Ein Höhepunkt sowohl in der Radio- als auch in der Hörspielgeschichte war am 30.10.1938 auf CBS die Sendung des Hörspiels “The war of the worlds“ von Orson Welles, das so wirklichkeitsnah inszeniert war, daß die Nachricht der landenden Marsianer für wahr genommen wurde.
31.8.1939 Fingierter Überfall auf den Sender Gleiwitz. In polnische Uniformen gesteckte KZ-Häftlinge werden am Tatort erschossen liegengelassen: Propagandistischer Vorwand für den Überfall auf Polen; Beginn des 2. Weltkrieges.
Nach der Kapitulation wurde das Radio von den Siegermächten streng überwacht. Der amerikanische Sender RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) in Berlin war 1948 zu Beginn des kalten Krieges ein wichtiges Kommunikationsmedium der BerlinerInnen, um neben der Versorgungs-Luftbrücke Kontakt zur Aussenwelt halten zu können.
Im Zuge der Herausbildung der Bundesrepublik auf der Grundlage des Grundgesetzes wurden nach und nach die Sender in deutsche Hände zurückgegeben: es entstanden die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten der Länder.
Nach dem Selbstverständnis der neuen Sender hatte der Rundfunk eine große politische, kulturelle, ethische und wirtschaftliche Erziehungsmission, die nicht eng pädagogisch oder gar schulmeisterlich, sondern frei, aufgelockert und mit dem Einverständnis der Mehrzahl der HörerInnen bilden und informieren sollte. Das Radio sollte kein politisches Machtinstrument, sondern vielmehr Träger einer geistvollen Kultur sein.
Anfang der Fünfziger Jahre hatte das Radio eine dem heutigen Fernsehen ähnliche Funktion: es gab Radio-Shows mit Titeln wie: “Das ideale Brautpaar“ und natürlich 1954 die Live-Übertragung der Fußballweltmeisterschaft mit dem Endspiel Ungarn-Deutschland in Bern, in dem Deutschland mit 3:2 Weltmeister wurde.
Das Hörspiel als literarische Gattung, das im Repertoire eines jeden bekannten Schriftstellers vertreten war, wurde zum kulturellen Paradepferd des Radios.
In der immer schnellebigeren Zeit wurden Magazin-Sendungen sehr beliebt, in denen sich zweiminütige Wortbeiträge mit vierminütiger Popmusik abwechselten.
Als weltumspannendes Kommunikationsmittel wurde das Radio zum Karrieresprungbrett für Rock- und Popmusiker wie die Beach Boys, die Beatles, Elvis oder die Rolling Stones.
1963 gab es in Deutschland 16 Millionen Transistor-Radiogeräte, die als Multiplikatoren von Kommunikation und Musik fungierten. Vor allem mit der Einführung der Stereo-Klangwiedergabe in den Sechziger Jahren erfuhr das Radio einen Aufschwung und auch heute noch gibt es mehr Radios als Fernsehgeräte in den Haushalten und Autos.
Freie Radios entstehen Mitte der 70er Jahre in Italien. Anfang 1975 sendet der Piratensender Unfreies Westberlin (PUW). Es wird über aktuelle Anlässe berichtet, Musik und Nachrichten, die in den lizensierten Medien unterdrückt oder verfälscht dargestellt werden, werden gesendet.
Andere linke Gruppen können zu Wort kommen, z. B. berichtet eine Gruppe, die in Obdachlosenheimen gefälschte Lebensmittelgutscheine verteilt hat. Oder türkische Genossen, die ihre Landsleute in Kreuzberg über den Verbleib von Hilfssendungen für Erdbebenopfer informieren. Die Revolutionären Zellen geben die Verteilung von 100 000 Bus- und U-Bahnkarten bekannt. Eigene Themen sind die Fahrpreiserhöhungen, Jugendarbeitslosigkeit oder der Kraftwerksbau im Spandauer Forst.

4.6.1977 "Radio grünes Fessenheim", Radio Verte Fessenheim, sendet von einem Strom-Mast im Elsass der frz. Elektrizitätsgesellschaft.
15 Min pro Woche, frz, dt, alemannisch über Ökologie/Anti-Atomkraft-Bewegung (Wyhl, Fessenheim, Kaiseraugst) und andere Bereiche der Gegenöffentlichkeit: z. B. Live-Bericht über eine Fabrikbesetzung im Elsass.
Eigene Badische Redaktion in Freiburg 1979.
Grosser Erfolg in der Region, der Sender wurde gesucht, auch von Post/Polizei, neue Sender an verschiedenen Orten.
Radio wurde direkt aus Demonstrationen heraus gemacht, Absprachen/Infos an die TeilnehmerInnen vermittelt.
1981 viele Hausbesetzungen, Freiburg ist eine Hochburg und wird polizeilich kontrolliert, aus Radio Fessenheim wird Radio Dreyeckland (RDL)
Erlangen: Querfunk (Autokassettenrekorder mit Motorradbatterie, Platine in Vogelnistkasten, Antenne) aus dem Wald um Erlangen herum auf hohen Bäumen 9 Nistkästen senden wechselweise 2 Minuten, längste Sendung 45 Min.
1981 Mitterand nutzt angeblich Piratensender zum Wahlkampf, daher Legalisierung freier Radios, um als Präsident einer Anklage zu entgehen. (Sein Name findet sich unter einer Petition zur Legalisierung von Piratensendern), Radio Dreieckland wird in Kolmar, Mulhouse, Saarlouis legal angesiedelt, damit wird eine Hörerbeteiligung über Telefon möglich.
Freiburg: CDU-Projekt Stadtradio von Radio Dreyeckland boykottiert, eigener Lizenz-Antrag, der von der CDU-Regierung abgelehnt wird.
April 1985 Radio Dreyeckland besetzt Frequenz 101,7 aus 2 Studios in Freiburg. Live-Bericht über die Aktivitäten der Polizei aus dem 2. Studio während das 1. geräumt wird, Aufruf zur Herstellung von Öffentlichkeit durch Anwesenheit. Räumung der Studios, Verhaftungen, Anklagen: 12.000 fordern auf Unterschriftenliste eine Frequenz, Demonstrationen, Radio sendet weiter.
1. Dez 1987: Radio Z geht auf Sendung mit vorläufiger Sendelizenz, nach einigen Monaten versucht der Medienrat München, die Lizenz zu entziehen, Verwaltungsgericht April 1988 Lizenz genehmigt auf 95,8 UKW in Teilung mit anderen Radios.